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Zurück zu Sigmund Freud contra Wilhelm Reich

Wilhelm Reich

Die neuere Diskussion des "Falles Reich"


Die vehemente Diskussion um die Politik der DPG/IPV gegenüber dem Nationalsozialismus, die 1982, nach dem Tod Alexander Mitscherlichs, unter deutschen Psychoanalytikern begann, hatte ein so unerwartetes wie unwillkommenes Nebenprodukt: die nicht nur vom psychoanalytischen Establishment lange unterdrückte, sondern auch den sog. Linksfreudianern unbequeme, seit 1934 überfällige Debatte des "Falles Reich".
So kontrovers diese Debatte auch verlief, so sehr bestand letztlich doch unausgesprochen Einigkeit der Kontrahenten darin, dass der "Fall Reich" Historie ist, d.h. keine wirklich aktuelle Bedeutung hat.
Im »LSR-Projekt« wird indes -- unter Auswertung der Argumente der Debatte und neuer Dokumentenfunde sowie vor allem unter Einbezug der in wesentlicher Hinsicht sehr ähnlichen "Fälle" Stirner und La Mettrie -- Reichs aktuelle Bedeutung aus dem Konflikt mit Freud abgeleitet. Diese Bedeutung Reichs -- für die Reanimation der paralysierten Aufklärung -- hängt nicht entscheidend davon ab, ob Freuds und/oder Reichs Theoriegebäude den heute dominierenden wissenschaftlichen "Standards" genügt.

 

Der "Fall" Wilhelm Reich.
Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Politik.
Hg. v. Karl Fallend und Bernd Nitzschke.
Frankfurt/M: Suhrkamp [Januar] 1997. 374 S.
(suhrkamp taschenbuch wissenschaft stw 1285)


Neuauflage:
Der "Fall" Wilhelm Reich.
Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Politik.
Überarbeitete und mit einem aktuellen Vorwort versehene Neuauflage. Giessen: Psychosozial-Verlag [Juli] 2002

 
darin:
Fallend, Karl: Otto Fenichel und Wilhelm Reich. Wege einer politischen und wissenschaftlichen Freundschaft zweier "Linksfreudianer". S. 13-67
Nitzschke, Bernd: "Ich muss mich dagegen wehren, still kaltgestellt zu werden." Voraussetzungen, Umstände und Konsequenzen des Ausschlusses Wilhelm Reichs aus der DGP/IPV in den Jahren 1933/34. S. 68-130
Cremerius, Johannes: Der "Fall" Reich, ein Exempel für Freuds Umgang mit abweichenden Standpunkten eines besonderen Schülertyps. S. 131-166
Dahmer, Helmut: Psychoanalytiker in Deutschland 1933-1951. Ein unglückseliger Verein und eine Geschichte, die sich nicht selber schreibt. S. 167-189
Geuter, Ulfried / Schrauth, Norbert: Wilhelm Reich, der Körper und die Psychotherapie. S. 190-222
Hartmann, Sebastian / Zepf, Siegfried: Sankt Wilhelm oder die wahre Wahrheit eines "wahren Sozialismus". S. 223-248
Körbitz, Ulrike: Zur Aktualität sexualpolitischer Aufklärung im post-sexuellen Zeitalter. S. 249-269
Bergmann, Anna: Sexualhygiene, Rassenhygiene und der rationalisierte Tod. Wilhelm Reichs "sexuelle Massenhygiene" und seine Vision einer "freien" Sexualität. S. 270-296
Dressen, Wolfgang: Handbuch der Moral für den Bürgerstand. Schwarze Pädagogen, Naturliebhaber und Lebenskünstler. S. 297-315
Modena, Emilio: Hommage à W.R. -- Psychoanalyse und Politik vor der Jahrtausendwende. S. 316-347
 

Im Anschluss an diesen Band sind folgende Rezensionen und selbständige Artikel erschienen:


Nitzschke, Bernd:
Grosse Männer, kleine Verehrer.
Über die "Sigmund-Freud-Gesellschaft".
(überarbeitete Fassung eines Artikels von 1993) In: Nitzschke, Bernd: Wir und der Tod. Essays über Sigmund Freuds Leben und Werk. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1996, S. 193-199

Reich Rubin, Lore:
Wilhelm Reich and Anna Freud: His [Reich's] Expulsion from Psychoanalysis.
In: Journal of Orgonomy, Vol. 31, Nr. 1, 1997, pp. 22-36
(Reprinted, with additions and corrections
in: International Psychoanalytic Forum, 12, 2-3 (Sept 2003), pp. 109-117)


Kleinspehn, Thomas:
Der "Fall" Wilhelm Reich
Über neue Bücher zu Psychoanalyse und Politik
(Rundfunktyposkript, 17 S., gesendet: WDR, 9. April 1997
A[dam], E[rik]:
Der "Fall" Reich
In: Kleine Zeitung (Klagenfurt), 11. April 1997

Zendagui, Karim:
Zwischen allen Stühlen. Nitzschke und Dressen stellten Wilhelm Reich vor.
In: Rheinische Post (Düsseldorf), 18. April 1997


Bakus, Ute-Christine:
Der verfemte Freidenker. [Lesung Nitzschke und Dressen]
In: Westdeutsche Zeitung, 18. April 1997, S. 14
Weinzierl, Ulrich:
Ganz allein im Weltraum
Wilhelm Reich: In hundert Jahren werden sie mich vergöttern
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juni1997, S. 47
Vichyn, B[ertrand]:
(Kurz-)Rezension
In: The IAHP Journal, Nr. 23, 1997, p. 12f
(IAHP="International Association for the History of Psychoanalysis")
Dahmer, Helmut:
Wilhelm Reich in der Geschichte der Psychoanalyse.
In: Werkblatt. Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik (Salzburg), Nr. 38, 1997, S. 122-126
Nitzschke, Bernd:
Wilhelm Reich -- ein "wahrer" Sozialist.
Die politischen Hintergründe seines Ausschlusses aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1933/34 In: Szanya, Anton (Hg.): Brüder, zur Sonne, zur Freiheit! Mythen und Legenden über das Revolutionäre. Wien: Picus-Verlag 1997, S. 223-240
Rackelmann, Marc:
Der Klient
In: emotion. Beiträge zum Werk von Wilhelm Reich [früher: Wilhelm-Reich-Zeitschrift], 1997, S. 261-263
Graefe, Steffen:
Anbiederung und Kollaboration
Psychoanalyse in 'Dritten Reich'
Rundfunktyposkript 9 S.; gesendet: Deutschlandradio, 10. Dez. 1997, 14.35-14.50 h
Kluge, Friedemann:
Sangesfreudig. Revolution und Psychoanalyse (Rez. v. Nitzschke: Wilhelm Reich - ein "wahrer Sozialist")
In: Süddeutsche Zeitung, 7./8. Februar 1998
Schröter, Michael:
Manichäische Konstruktion.
Kritik an zwei Studien über Wilhelm Reich und seine Konflikte mit der DPG/IPV (1933-34)
In: Psyche 52,2 (Februar 1998), S. 176-196
Lohmann, Hans-Martin:
Bemerkung [zur Frage, ob Helmut Dahmer seine Stellung als leitender Redakteur der PSYCHE "infolge" der von ihm ausgelösten Kontroverse über die Geschichte der Psychoanalyse zur NS-Zeit verlor]
In: Psyche 52,2 (Februar 1998), S. 194
Stingelin, Martin:
Kaltgestellt. Streit um Wilhelm Reich
In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. März 1998, S. N5
Lohmann, Hans-Martin:
Rezension von Fallend / Nitzschke (1997).
In: Zeitschrift für Sexualforschung, Jg. 14, Heft 2, Juni 1998, S. 189-191
Reichmayr, Johannes:
Zur Wiederbelebung der Legende von Wilhelm Reich als Märtyrer der psychoanalytischen Bewegung.
In: Journal des Psychoanalytischen Seminars Zürich, Nr. 35, Juli 1998, S. 52-69
Dahmer, Helmut:
Psychoanalytische Vereinsgeschichte, "anders" erzählt.
Zu einer "Kritik" von Michael Schröter.
In: Journal des Psychoanalytischen Seminars Zürich, Nr. 35, Juli 1998, S. 70-77
ebenfalls veröffentlicht in: Werkblatt. Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik (Salzburg), Nr. 40, 1998, S. 106-123
Nagler, Norbert:
Die Leidenschaft der Kritik.
Wilhelm Reichs marxistische Psychoanalyse und die gegen ihn gerichtete freudianische Vereinspolitik der Identitätsvernichtung.
In: Integrative Therapie, 24.Jg., Heft 2, September 1998, S. 131-170
Nagler, Norbert:
Rezension von Fallend / Nitzschke (1997).
In: Integrative Therapie, 24.Jg., Heft 2, September 1998, S. 238
Klotter, Christoph:
Der Fall Wilhelm Reich --
Ein Fall für die Psychoanalyse oder die Psychoanalyse als Fall.
In: Journal für Psychologie, 6. Jg., Heft 4, Dezember 1998, S. 81-86
Alnæs, Randolf:
Wilhelm Reichs politiske psykologi og hans forhold til den internasjonale psykoanalytiske bevegelse.
In: Tidskrift for Norsk Psykologforening, vol. 35, [dec.] 1998, pp. 950-959
Fallend, Karl / Nitzschke, Bernd:
"Diplomatisches" Konstrukt.
Eine Erwiderung auf Michael Schröters Erzählung der Geschichte des Ausschlusses Wilhelm Reichs aus der DPG/IPV in den Jahren 1933/34.
In: Psyche, Nr. 1/1999, Januar 1999, S. 77-83
Schröter, Michael:
Primat des Politischen?
Zur Diskussion mit Karl Fallend und Bernd Nitzschke.
In: Psyche, Nr. 1/1999, Januar 1999, S. 84-86
Fallend, Karl / Nitzschke, Bernd:
Der "Fall" Wilhelm Reich -- jenseits manichäischer Fiktionen und diplomatischer Konstruktionen.
In: Werkblatt, Nr. 41, Heft 2/1998 [März 1999], S. 37-58
Nitzschke, Bernd:
Psychoanalyse im "Dritten Reich" - und die Folgen für die psychoanalytische Geschichtsschreibung nach 1945.
In: Journal des Psychoanalytischen Seminars Zürich, Nr. 36, März 1999, S. 38-51
Lothane, Zvi:
The Deal with the Devil to "Save" Psychoanalysis in Nazi Germany.
In: The Psychohistory Review, vol. 27, nr. 3 (Spring 1999), pp. 101-121
Nitzschke, Bernd:
Psychoanalyse im Nationalsozialismus
Aktuelle Konsequenzen einer historischen Kontroverse: der "Fall" Wilhelm Reich.
In: PPmP = Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie, Jg.49, 1999, S. 131-138

Übersetzt und eingeleitet von Zvi Lothane:
Psychoanalysis during National Socialism; Present-Day Consequences of a Historical Controversy in the "Case" of Wilhelm Reich.
In: Psychoanalytic Review, vol. 86, no. 3 (June 1999), pp. 349-366


Fallend, Karl:
Unbewusste Zeitgeschichte.
Über das schweigende Verhältnis von Psychoanalyse und Nationalsozialismus in Österreich.
In: Brigitte Grossmann-Garger & Walter Parth (Hg.): Die leise Stimme der Psychoanalyse ist beharrlich [Josef Shaked zum 70. Geburtstag]. Giessen: Psychosozial-Verlag 1999. S. 337-350 (344-345)
Nitzschke, Bernd:
Anpassung oder Widerstand? Psychoanalyse unter Hitler.
In: Texte aus dem Colloquium Psychoanalyse, 3.Jg., Heft 5 (Dez. 1999), S. 37-48
Nitzschke, Bernd:
Psychoanalyse im "Dritten Reich" und die Folgen für die psychoanalytische Geschichtsschreibung nach 1945.
In: Opher-Cohn, Liliane u.a. (Hg.): Das Ende der Sprachlosigkeit? Auswirkungen traumatischer Holocaust-Erfahrungen über mehrere Generationen. Giessen: Psychosozial-Verlag 2000, S. 215-242
[überarbeitete Fassung des Textes in: Journal des Psychoanalytischen Seminars Zürich, Nr. 36, März 1999]
Lothane, Zvi:
Introduction: Psychiatry, psychotherapy, and psychoanalysis in the Third Reich.
In: Psychoanalytic Review, vol. 88 (2001), pp.143-153
Goggin, James E. / Goggin, Eileen Brockman:
Politics, ideology, and the psychoanalytic movement before, during, and after the Third Reich.
In: Psychoanalytic Review, vol. 88 (2001), pp.155-193
Lothane, Zvi:
The deal with the devil to "save" psychoanalysis in Nazi Germany.
In: Psychoanalytic Review, vol. 88 (2001), pp.195-224
[rev. version of Lothane (1999)]
Freudl, Peter:
Warum wird Reich nie erwähnt ?
Wilhelm Reich und das Trauma der deutschen Psychoanalyse
In: psychosozial, 24. Jg., Heft II (Nr. 84), (April-Juni 2001), S.139-159
Hoevels, Fritz Erik:
[Kritik eines "Anti-Reich-Buchs ... mit sozusagen menschlichem Antlitz" (Fallend/Nitzschke 1997)].
In: ders.: Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse
Freiburg: Ahriman-Verlag [Okt.] 2001, S. 409-435
Dahmer, Helmut:
Regression einer kritischen Theorie
(Vortrag vor Studenten der Gruppe "Rote Ruhr-Uni", 2001)
https://www.rote-ruhr-uni.org/texte/dahmer_regression_einer_kritischen_theorie.shtml
Karl Fallend / Bernd Nitzschke:
Vorwort zur Neuauflage.
In: dies. [Hg.]: Der "Fall" Wilhelm Reich.
Beiträge zum Verhältnis von Psychoanalyse und Politik.
Überarbeitete und mit einem aktuellen Vorwort versehene Neuauflage.
Giessen: Psychosozial-Verlag [Juli] 2002, S. 13-28
Zvi Lothane:
Power Politics and Psychoanalysis.
An Introduction
In: International Psychoanalytic Forum, 12,2-3 (Sept 2003), pp. 85-97
Bernd Nitzschke:
Psychoanalysis and National Socialism.
Banned or brought into Conformity? Break or Continuity?
In: International Psychoanalytic Forum, 12,2-3 (Sept 2003), pp. 98-108
Reich Rubin, Lore:
Wilhelm Reich and Anna Freud: His [Reich's] Expulsion from Psychoanalysis.
In: International Psychoanalytic Forum, 12, 2-3 (Sept 2003), pp. 109-117;
(Reprint of an earlier version, with additions and corrections,
in: Journal of Orgonomy, Vol. 31, Nr. 1, 1997, pp. 22-36)
Stephen Frosh:
Psychoanalysis, Nazism and "Jewish Science".
In: The International Journal of Psychoanalysis, 84 (2003), pp. 1315-1332
Bernd Nitzschke:
"Gerettet" oder "zerstört" ?
Psychoanalyse unter Hitler.
In: Zeitschrift für Politische Psychologie, Bd. 11, Nr. 1-3 (2003 [April 2004]), S. 121-144
Roland Kaufhold:
Rezension von Fallend / Nitzschke, Der "Fall" Wilhelm Reich, 2. Auflage, Giessen: Psychosozial-Verlag 2002
In: Zeitschrift für Politische Psychologie, Bd. 11, Nr. 1-3 (2003 [April 2004]), S. 278-280
Martin B. Buchholz:
Rezension von Zvi Lothane (ed.), Psychoanalysis and the Third Reich, special issue of International Forum of Psychoanalysis, 12, 2-3 (Sept 2003)
In: Psycho-News-Letter. Ein kleiner Literaturrundflug. Im Auftrag der DGPT (Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefebpsychologie e.V.). Nr. 14 (November 2003), S. 7-8
Roland Kaufhold:
Rezension von Zvi Lothane (ed.), Psychoanalysis and the Third Reich, special issue of International Forum of Psychoanalysis, 12, 2-3 (Sept 2003)
In: Zeitschrift für Politische Psychologie, Bd. 11, Nr. 1-3 (2003 [April 2004]), S. 285-290
Elisabeth Timm:
Jenseits der Gesellschaft -- Freud, Todestrieb und der Konflikt mit Wilhelm Reich.
In: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte, Bd. xxxii (2004), S. 29-55
Geoffrey Cocks:
Rezension von Zvi Lothane (ed.), Psychoanalysis and the Third Reich, special issue of International Forum of Psychoanalysis, 12,2-3 (2003)
In: International Forum of Psychoanalysis, 14,1 (2005), pp. 45-48


Vgl. a. die zahlreichen sonstigen
Artikel zum "Wilhelm-Reich-Jahr",
die ohne Bezug auf diesen Band erschienen sind,
sowie die Seite über die
Rundbriefe von Otto Fenichel
und die Dokumentation über Reichs
»Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie« (1934-38)
insbesondere Reichs 1935 veröffentlichten Bericht
»Der Ausschluss Wilhelm Reichs aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung«

Die DPG-Arbeitsgemeinschaft "Psychoanalyse & Kultur" (p.adr. Dr. med. Günther Schmidt, Mendelssohnstr. 49, 60325 Frankfurt/M) veranstaltete am 21. März 1998 (anlässlich des 101. Geburtstags von Reich) eine Tagung "Politik - Psychoanalyse - Gesellschaft // 100 Jahre Wilhelm Reich". Eine Publikation der Referate sei in Vorbereitung, schrieb mir Dr. Schmidt am 7.5.1998; am 20.8.1998 meinte er, die Publikation verzögere sich; und am 5.3.1999 teilte er auf Anfrage mit, "...dass die Erscheinung des Heftes noch nicht abzusehen ist. Vielleicht ist es Anfang kommenden Jahres möglich, das Heft in Druck zu geben." Auf meine erneute Anfrage vom 25.10.2000 antwortete Schmidt nicht mehr, so dass wohl anzunehmen ist, dass die Öffentlichkeit in nächster Zeit nicht erfahren wird, wer dort was zum "Fall Reich" gesagt hat.


Karl Fallend und Bernd Nitzschke berichten im Vorwort zur Neuausgabe von »Der "Fall" Wilhelm Reich« (Psychosozial-Verlag, Giessen 2002) einige Interna.

Die Vorgeschichte:
Prof. Dr. Dr. Hilarion G. Petzold hatte als "nicht-(psycho-)analytischer" Kollege in einem offenen Brief "an die psychoanalytischen Fachgesellschaften" appelliert, man "sollte anlässlich des 100-jährigen Geburtstages von Wilhelm Reich den erfolgten Ausschluss von 1934 aufheben", denn dieser sei "eine 'ungerechte' und unrechtmässige Entscheidung" gewesen (In: Integrative Therapie, 22. Jahrgang, Heft 4, 1996, S. 489-490). - Anderthalb Jahre später berichtete Petzold über das Resultat seines Vorstosses: "Mein Offener Brief an alle grossen psychoanalytischen Vereinigungen und Fachzeitschriften [...] mit der Bitte um Abdruck und der Forderung, den Ausschluss von Reich zurückzunehmen, blieb (von einer Empfangsbestätigung des 'Forum Psychoanalyse' abgesehen) ohne Reaktion." (In: Integrative Therapie, 24. Jahrgang, Heft 1, 1998, S. 128).

Intern hat es allerdings doch eine Reaktion gegeben. Fallend und Nitzschke zitieren aus einer nichtpublizierten, für den Vorstand der DPG formulierten "Stellungnahme" des oben genannten Günther Schmidt: "Zusammenfassend kann gesagt werden, dass mit dem Ausschluss Reich formal Unrecht geschehen ist. Dieses Unrecht ist nicht wiedergutzumachen. [...] Weder durch Zustimmung oder Unterstützung der Petition von Prof. Petzold kann das Geschehene [...] rückgängig gemacht werden. Von daher soll dem DPG-Vorstand vorgeschlagen werden, die geäusserte Idee einer Petition an die Internationale Psychoanalytische Vereinigung nicht zu unterstützen. Geschehenes Unrecht ist nicht mehr korrigierbar." (S. 23)
Aus einer zweiten Stellungnahme, verfasst von Rosemarie Eckes-Lapp zitieren Fallend/Nitzschke wie folgt: "Der Ausschluss Wilhelm Reichs zum damaligen Zeitpunkt, 1933/34, [...] war politisch motiviert und ist, was seine psychoanalytische Kompetenz zum damaligen Zeitpunkt betrifft, zu Unrecht erfolgt. [...] Eine heutige Bezeichnung W. Reichs als Psychoanalytiker und eine posthume Wiederaufnahme ist wegen seiner späteren theoretischen Entwicklung nicht möglich. Das würde seinen vielfältigen Ideen und Aktivitäten nicht entsprechen und auch dem psychoanalytischen Profil der heutigen DPG nicht entsprechen." (S. 23-24)

Fallend und Nitzschke enthalten sich eines Kommentars und schliessen: "So ist das: Unrecht ist nicht wieder gut zu machen." (S. 24) Alle Beteiligten - ausser Petzold - spürten wohl, dass zur Beurteilung des Konflikts Freud contra Reich Recht und Unrecht inadäquate Kategorien sind; nur sind die adäquaten noch nicht gefunden.

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